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Gehorsam


Stanley MILGRAMs Experimente zum Thema Gehorsam (ca. 1950) sind ebenso spektakulär wie umstritten. Er erklärte seinen Versuchspersonen, sie nähmen an einem Experiment über die Wirksamkeit von Strafen auf die Leistungen des Gedächtnisses teil. Sie wurden angewiesen, einer anderen Versuchsperson, die ausser Sichtweite in einem angrenzenden Zimmer sass, immer stärkere Elektroschocks zu verabreichen, wenn sie bei den gestellten Aufgaben Fehler machte. Die Schocks reichten von 15–450 Volt; die entsprechenden Schaltknöpfe waren mit Aufschriften wie „Leichter Schock“ bis „Gefahr! Schwerer Schock“ ausgestattet. Die andere Versuchsperson (in Wirklichkeit ein Schauspieler, der in das Experiment eingeweiht worden war), verhielt sich so, als hätte er die Schocks tatsächlich bekommen (was nicht den Tatsachen entsprach). Die an den Schaltknöpfen sitzende Versuchsperson konnte ihn vor Schmerz schreien hören. Das wirkliche Ziel des Experiments bestand darin, herauszufinden, wie weit der Gehorsam der Versuchspersonen gehen würde.     

Alle Versuchspersonen, die MILGRAM in diesem Experiment einsetzte, waren Männer mit überdurchschnittlicher Intelligenz, und doch gehorchten zwei Drittel von ihnen den Anweisungen des Versuchsleiters und verabreichten selbst gefährliche Elektroschocks, obgleich sie sich gleichzeitig darüber sehr beunruhigt zeigten und den Versuchsleiter anflehten, das Experiment abzubrechen. Die Macht des Versuchsleiters war jedoch erstaunlich gross. Fachleute, die vorher gebeten worden waren, den Grad des Gehorsams einzuschätzen, hatten vorausgesagt, dass nicht mehr als ein Prozent den Anweisungen bis zum schwersten Elektroschock folgen würde. Der Gehorsam gegenüber Autoritäten schien jedoch alle humanen Überlegungen auszuschalten.     

MILGRAMs Experiment und nachfolgende Variationen seines Untersuchungsansatzes sind heftig kritisiert worden. Viele sahen das Vertrauen in die Psychologie untergraben und die Würde des Faches in höchster Gefahr. Die Tatsache, dass die Versuchspersonen anschliessend über den wahren Verlauf des Experiments aufgeklärt wurden, kann diese ethischen Bedenken nur zum Teil zerstreuen. Dennoch zeigen die Ergebnisse deutlich, welche Macht Autorität besitzen kann. Für den Einzelnen ist es schwierig, ihr zu widerstehen: Der Grad des Gehorsams nahm deutlich ab, wenn zwei Versuchspersonen zusammenarbeiteten.


Zu ähnlichen Resultaten kam Ph. G. ZIMBARDO (ein Professor der Stanford Universität) im Jahre 1971:

ZIMBARDO wollte mit seinem Gefängnis-Experiment herausfinden, was passiert, wenn man rechtschaffene Menschen an einen Ort des Bösen bringt. Siegt die Humanität über das Böse oder triumphiert das Böse? Dazu plante er eine Untersuchung zur „Psychologie der Haft“, in der Versuchspersonen (Studenten) eine Gefängnissituation simulieren mussten: Die einen waren Häftlinge, die anderen Wärter. Das Experiment sollte zwei Wochen dauern. es musste jedoch aufgrund der Auswirkungen der Situation auf die teilnehmenden Studenten bereits nach sechs Tagen vorzeitig beendet werden, denn in nur wenigen Tagen wurden die Strafvollzugsbeamten (= Wärter) zu Sadisten und die Gefangenen zeigten Anzeichen von Depressionen und extremem Stress.

Diese Untersuchung wurde in einem Kinofilm nachgestellt: "Das Experiment".

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