Philosophie
Der Philosophieunterricht orientiert sich inhaltlich an den von Kant definierten Grundfragen der Philosophie:
Was kann ich wissen? (Erkenntnistheorie)
Was soll ich tun? (Ethik)
Was darf ich hoffen? (Metaphysik)
Diese drei Fragen münden nach Kant in einer vierten:
Was ist der Mensch? (Anthropologie)
Erkenntnistheorie
Am Anfang der Philosophie steht das Staunen über Selbstverständliches. Zu den wichtigsten Selbstverständlichkeiten, die die Philosophie in Frage stellt, gehört es, dass wir - mit Hilfe unserer fünf Sinne - wirklich wissen, wie die Welt aussieht und dass das Bild, das wir von der Welt haben, auch ein wahres Bild von der Welt ist. Wir stossen dabei auf Fragen: Was kann ich wissen? Wie kommt unsere Vorstellung über die Welt eigentlich zustande und ist diese Vorstellung wahr?
(Zugänge, S. 15)
Ethik
Was soll ich tun? fragen wir uns häufig, wenn es um unser Verhalten unseren Mitmenschen gegenüber geht: Sollen wir uns in bestimmten Konfliktsituationen für andere einsetzen oder besser an unsere eigenen Interessen denken, sollen wir immer die Wahrheit sagen oder manchmal lieber lügen, soll man Unrecht auch mit Gewalt bekämpfen oder nur gewaltlos. Ist die Todesstrafe moralisch zu rechtfertigen? Gibt es ein Menschenrecht auf Sterbehilfe oder gar zur Selbsttötung? Dies sind Fragen der Moral, und es sind offensichtlich keine Sachfragen, die uns die Erfahrung bzw. die verschiedenen Wissenschaften allein beantworten können: Die Erfahrung oder die Psychologie sagt mir vielleicht, wie andere Menschen reagieren, wenn ich ihnen gegenüber so oder so handle, aber nicht, wie ich handeln soll. Eine Orientierung in diesen Fragen bieten traditionelle – vor allem religiöse – Wertsysteme, in die der Mensch im Laufe seiner Sozialisation hineinwächst. Wenn diese Wertsysteme jedoch zu bestimmten Fragen keine Antwort bieten oder wenn sie überhaupt fragwürdig geworden sind, dann muss man versuchen, eigene (neue) Massstäbe für seine Entscheidung zu finden. Genau darin besteht auch die Aufgabe der Ethik, einer Disziplin der so genannten ‚Praktischen Philosophie’, die sich mit dem Handeln der Menschen beschäftigt. Die Ethik kann dabei kein Rezeptbuch für moralische Entscheidungssituationen entwickeln; es geht ihr vielmehr um die Frage, welche allgemein gültigen moralischen Normen es gibt und wie sie sich begründen lassen. Sie stellt damit traditionelle Massstäbe in Frage und untersucht, ob und wie es möglich ist, moralische Regeln durch die Vernunft zu begründen.
(Zugänge, S.37)
Metaphysik
Kants Frage: Was darf ich hoffen? zielt in besonderer Weise auf meine persönliche Zukunft jenseits dieses Lebens, auf das also, was ich nach dem Tod für mich erhoffen darf. Darin eingeschlossen ist die Frage nach Gott, denn ohne dessen Existenz scheint ein Leben nach dem Tod für den Menschen undenkbar. Ebenso geht es um die Möglichkeit des Menschen, in freier Entscheidung zu handeln und so die für Naturwesen determinierenden Kausalfaktoren zu überwinden. Damit sind die zentralen Gegenstandsbereiche der Metaphysik angesprochen, einer philosophischen Disziplin, die sich mit den Fragen nach der Unsterblichkeit der Seele, der Existenz Gottes und der menschlichen Freiheit beschäftigt.
(Zugänge, S.82)
Anthropologie
Auffassungen vom Wesen des Menschen, von dem was ihn eigentlich ausmacht, bestimmen – uns nicht immer bewusst - oft unser Verhalten oder dienen der Rechtfertigung unserer Handlungen, und zwar im privaten wie im politischen Bereich. Daher ist die Frage: Was ist der Mensch? von besonderer Bedeutung für seine Selbstvergewisserung. Denn ob wir den Menschen für einen besonders perfekten Computer, die Krone der Schöpfung oder einen Fehlversuch der Natur halten, wird Auswirkungen darauf haben, wie wir uns selbst und unsere Mitmenschen sehen und wie wir uns verhalten. Insofern kann das Fragen nach dem unser Handeln implizit leitenden Menschenbild uns zu einem bewussten Umgang mit uns selbst und den anderen veranlassen. Schon vor der philosophischen Auseinandersetzung mit dem Wesen des Menschen gab es Versuche, dessen Eigenschaften zu fassen, häufig in der Form von Erzählungen und Mythen. Ein zentraler Mythos, der bis in die Gegenwart hinein lebendig geblieben ist und vor allem von Künstlern aufgegriffen wurde, ist der griechische Mythos des Titanen Prometheus, der den Menschen nach seinem Vorbild schuf und zum Vorteil seiner Schützlinge versuchte die Götter zu entmachten. Seither wurde Prometheus zum Sinnbild für die menschliche Tendenz zur Selbstüberhebung und Grössenwahn, Tendenzen, die auch in den religiösen Mythen anderer Kulturen (...) zu empfindlichen Strafaktionen der Götter führen.
(Zugänge, S. 115)
Die folgenden Ausführungen sind dem Lehrmittel ‚Zugänge zur Philosophie 1’ entnommen, mit dem im Philosophieunterricht (SPF und EF) gearbeitet wird.